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Seit Oktober 2003 auf Tour und überall begeistert gefeiert: Die "Leuchtende Augen Produktion" mit der Bühnenfassung des ersten "Ritter Rost" Bandes (von Jörg Hilbert und Felix Janosa). Was es auf der Musical-Tour 2003 / 2004 durch Deutschland und die Schweiz dabei zu sehen und zu hören gibt, darüber berichtet Michaela Pelz vom Krimi-Forum

  

  

 

Ritter Rost - Musical für Kinder.
Ein Bericht aus München von der Tour 2003.

Sonntag, 9. November 2003, 13.50 Uhr:

"Mama, frühstückt der Ritter Rost wirklich Büroklammern? Das wär mir aber zu pieksig!" Der ausladende Zirkus Krone Bau in München hallt wieder von dem Stimmengewirr aufgeregter und erwartungsvoller Zuschauer. Zwischen Eiskonfekt- und Popkorn-Verkäufer drängen sich im ausverkauften Saal überwiegend Fünf- bis Neunjährige mit ihren Eltern und Großeltern - aber auch halbe Schulklassen im Teenager-Alter (natürlich ohne erwachsene Begleitung) sind zu sehen.

Punkt 14.00 Uhr geht das Licht aus und das anderthalbstündige Spektakel beginnt.

Dass die Geschichte vom alles andere als tapferen Rittersmann bei den großen und kleinen Zuschauern als bekannt vorauszusetzen ist, zeigt sich bereits als der Roboter-Diener (ein ausgesprochen vielseitiger Roald Schramm, der später noch als Zirkusdirektor und Schrottkornverkäufer brillieren darf) beim ersten Song "Tief im Fabelwesenwald" lautstark (und ausgesprochen textsicher) vom Publikum unterstützt wird.

Als dann sein Herr die Bühne betritt - der unvergleichliche Ritter Rost (Marc Suesterhenn, der wie kein Zweiter die Zuschauer durch sein formvollendetes Zittern zum Lachen bringt), gibt es kein Halten mehr. Denn schnell wird auch den Kleinsten klar, dass der Kerl, dessen Oberkörper aus einer Registrierkasse besteht, und der sich selbst für den "Schönsten, Stärksten und Klügsten" hält, in Wirklichkeit ein sehr hasenfüßiger Hohlkopf ohne Manieren ist.

Burgfräulein Bö

Ganz anders hingegen seine Mitbewohnerin, das bezaubernde Burgfräulein Bö (kraftvoll und ausdrucksstark: Sandra Kiefer), das trotz seiner zierlichen Gestalt alles andere als zerbrechlich ist und ganz gewiss mehr kann als Stahlwolle zu spinnen. Was der Rotschopf allerdings zunächst nicht zeigen darf - wird er doch vom hochmütigen Ritter daran gehindert, den Zirkus zu besuchen.

Dort geht es allerdings auch hoch her, denn gleich drei Künstler wetteifern um die Gunst der Zuschauer. Als da sind: Ein schüchterner Bauchredner, dem das Publikum soufflieren muss (Lars Ceglecki, der mit viel Verve auch den sprechenden Hut gibt), Graf Knoblauch, der Vampir (wieder Sandra Kiefer), dessen "spritzige" Darbietung als Blutorangensaftdosenöffner vor allem den Menschen in den ersten Reihen nachdrücklich in Erinnerung bleibt und der freche Drache Koks (Liebling aller Kinder, mitreißend fröhlich verkörpert von Zoraya Lopez). Doch natürlich kann der Frömmste nicht in Frieden Feuer spucken, wenn es dem Werwolf Mies (Fridolin Richter als die personifizierte Verdrossenheit) mit seinem omnipräsenten TV-Gerät nicht gefällt. Und so kommt es, wie es kommen muss: Der eine stachelt den anderen so lange an, bis dieser mit einem mächtigen Feuerstrahl den Zirkus in Brand setzt - was zum Glück für die jüngeren Zuschauer nicht mit hohem pyrotechnischen Aufwand geschieht (erregt allzu viel Explosives doch - zumindest bis zum Schulalter - meist mehr Aufregung als Begeisterung).

Nun ist guter Rat teuer: Der Drache muss gefunden und gefangen werden, bevor er noch mehr Unheil anrichtet. Doch leider leider ist gerade jener, der per Definition so etwas können sollte, nämlich der Ritter Rost, aus Gründen extremer Ängstlichkeit nicht in der Lage, diese Aufgabe zu erfüllen.

Gut, dass hier die toughe Bö einspringen kann - ermutigt von ihrem sprechenden Hut (mit viel Blues im Filz), während sich der Blechboy mit seinem Teddy in einer Sardinenbüchse versteckt. Auf dem Rücken von Feuerstuhl (Frank Schneider), dem tapferen Ross, dessen von einer Daimler-Radkappe geschönte Gestalt nicht nur bei den anwesenden Papas für Lacher sorgt, stellt sie sich dem Kampf mit dem Drachen.

Einem hörenswerten Schimpfwörter-Schlagabtausch folgt ein sehenswerter Sieg - und der Abtransport des Gummibärchensüchtigen Drachenviechs auf die Burg.

Ritter Rost das Musical für Kinder

Und alle freuen sich, dass der Tatzelwurm am Ende, nachdem er zur Strafe ein Jahr lang die lästigen Pflichten erfüllt hat, bei einem großen Fest zum Reserve-Ritter geschlagen wird.

 

Ganz dicht an der Vorlage hat die Leuchtende Augen Produktion (unter der Leitung von Mike Frede) hier ein Musical auf die Bühne gebracht, das sich ganz und gar nicht vor Sesamstrasse und Konsorten verstecken muss. Statt opulenter Ausstattung wird mit wenigen ausgesuchten Elementen im Handumdrehen das passende Ambiente geschaffen - der große Burgsaal wird ratz-fatz zum Zirkusrund oder zum Turnierplatz. Atmosphäre entsteht so in erster Linie durch die Künstler und nur am Rande aufgrund der Kulissen.

Wenn es dann doch etwas länger dauert mit den Umbauarbeiten, dann erwächst den Zuschauern sogar noch ein Vorteil aus dieser Zwangspause. Dürfen sie sich doch über einen zusätzlichen Song freuen, der (natürlich nach Rücksprache mit den Autoren) aus einem der anderen Ritter Rost Bände entliehen wurde: "Das muss ein Ritter können!" Und dass dieser Ritter und all seine Gefährten wirklich etwas können, daran besteht kein Zweifel.

 

Kein Wunder, dass das begeisterte Publikum mit großen glänzenden Augen und roten Wangen nach der mitreißenden Darbietung vier Zugaben fordert - und so mancher fast versucht wäre, einfach bis zur 17.00 Uhr Vorstellung sitzenzubleiben...

 

2003
Ein Bericht von Michaela aus dem krimi-forum
 

    

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